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Beim Fingerboarding geht es vor allem darum, Skateboard-Tricks auf der Miniaturversion eines Skateboards nachzumachen – dem Fingerboard. Statt der Füße benutzt du die Finger (Zeige- und Mittelfinger). Die Tricks werden im Grunde genauso ausgeführt wie auf dem Skateboard, von kleinen Ausnahmen abgesehen, z. B. Grabs (auf dem Fingerboard zählen manchmal einfache Grabs wie Indy Grab oder Nose Grab) oder Körperdrehungen (Drehungen mit der ganzen Hand um mehr als 360 Grad sieht man beim Fingerboarding eher selten). Tricks kannst du sowohl auf dem sogenannten Flat, also auf einer ebenen Fläche, als auch auf verschiedenen Obstacles machen – meistens Miniaturversionen von Skateboard-„Rampen“.

Mini-Skateboards für die Finger wurden schon in den 70er-Jahren als selbstgebautes Spielzeug gebastelt. Bekannter wurden sie 1985 durch den Film „Future Primitive“ von Powell-Peralta, in dem Profi-Skater Lance Mountain mit einem Fingerboard über ein Spülbecken fährt. Der richtige Boom kam Ende der 90er-Jahre, als die Marke Tech Deck auf den Markt kam und Fingerboards in Spielwarenläden auf der ganzen Welt landeten.
Ursprünglich waren Fingerboards, einfach gesagt, herkömmliche Skateboards im Kleinformat. Länge und Breite entsprachen anfangs proportional den Maßen echter Skateboards (das Deck maß damals meist 96 mm x 27 mm). Einige der ersten Fingerboards stammten von Tech Deck. Das Deck ist das wichtigste Teil eines Fingerboards – oft trägt es eine charakteristische Grafik, die dem Board seinen besonderen Look gibt. Auf dem Deck, das anfangs aus Kunststoff war, klebte Schleifpapier (Griptape). Es sorgte für mehr Grip und machte die Tricks dadurch leichter. Die nächsten Teile sind die Trucks, also die Achsen, die anfangs ebenfalls aus Kunststoff waren, mit Rollen aus Kunststoff (ursprünglich ohne Kugellager). In den Trucks sitzen kleine Gummis, die dafür sorgen, dass das Fingerboard beim Fahren sauber „lenkt“. Die Trucks werden mit Schrauben (Montageschrauben) am Deck befestigt, 4 pro Truck (insgesamt 8).

Mit der Zeit hat sich gezeigt, dass eine perfekte Nachbildung des klassischen Skateboards für ein Fingerboard nicht ganz ideal ist. Das Griptape wurde durch den heute üblichen Schaumstoff (Foam Tape) ersetzt. Auch die Breite der Fingerboards hat sich weiterentwickelt: Früher waren es ca. 27 mm, heute im Schnitt 32–34 mm (auch die Länge variiert je nach Vorliebe). Concave (die Wölbung des Decks) sowie Länge und Form von Tail und Nose haben sich ebenfalls verändert. Sehr wichtig ist auch der Winkel, in dem Tail und Nose hochgebogen sind – ein ungeeigneter Winkel kann Tricks unmöglich machen. Decks aus Kunststoff findest du heute nur noch bei günstigen Einsteiger-Fingerboards. Inzwischen dominieren Holzdecks aus mehreren Schichten Sperrholz (vereinzelt ist die unterste Schicht aus Metall). Die Trucks professioneller Fingerboards bestehen heute aus Metall (und sind in der Breite auf das Deck abgestimmt). Die Muttern an den Trucks, die die Rollen halten, haben heute meist eine spezielle Sicherung, die verhindert, dass sich die Rollen von selbst lösen (sogenannte Autoblocks). Die Rollen werden viel sorgfältiger gefertigt und haben Kugellager (meist ein Lager pro Rolle, es gibt aber auch Rollen mit zwei Lagern). Form, Farbe, „Härte“ und Material der Rollen sind ebenfalls Geschmackssache (in letzter Zeit sind Rollen aus Polyurethan sehr beliebt). Auch die Grafiken kommen heute anders aufs Board. Früher war es bei Plastik-Fingerboards einfach ein Aufdruck. Heute sind Decks mit „abziehbarer“ Grafik beliebt, durch die sie sehr realistisch aussehen. Viele Hersteller produzieren außerdem Decks mit einzigartigen, von Hand aufgebrachten Grafiken. Weitere Möglichkeiten, ein Deck zu gestalten, sind z. B. das Einbrennen ins Holz oder sogenannte Splits (die unterste Schicht des Decks wird in verschiedenfarbige Teile aufgeteilt). Ein zusätzliches Element sind „Boardslides“ (auch Slider genannt). Sie werden unter das Board geschraubt, damit es besser über Obstacles rutscht. Auf dem Skateboard spielen sie eine größere Rolle, auf dem Fingerboard sind sie dagegen oft nur Deko. Alle Fingerboards sind – wie Skateboards – miteinander kompatibel (manchmal passen die Trucks z. B. nicht ganz zur Breite des Decks, lassen sich aber trotzdem montieren). Das heißt, die Maße der Schrauben, der Löcher im Deck usw. sind bei jedem FB gleich (es gibt gelegentlich Ausnahmen, z. B. dass bestimmte Rollen nur auf bestimmte Trucks passen, aber oft lassen sie sich anpassen).
Ledges, Rails, Quarterpipes, Kicker, Pole Jams, Minirampen, Bordsteine, Treppen, Hubbas – alles, was du zum Skateboarden brauchst, gibt es auch in der Welt des Fingerboardings. Verkleinerte Versionen bekannter Spots oder ganz neue Obstacles sind im Fingerboarding allgegenwärtig. Die Basis bilden jedoch: Grindbox (Ledge), Kicker, Rail und Quarterpipe. Es gibt auch größere Anlagen zum Fahren, sogenannte Fingerparks. Für den Durchschnittsnutzer sind sie allerdings ziemlich teuer (die Preise reichen bis zu mehreren tausend Złoty), weil sie meist in Handarbeit gefertigt werden. Viele bauen ihre Obstacles deshalb lieber selbst. Früher bestanden sie aus Kunststoff (heute kaum noch verwendet), heute aus Sperrholz (mit Metallwinkeln), Beton oder Granit (auch Marmor).

Kurze Antwort: Nein. Beim Fingerboarding zählt nicht nur, einen „möglichst guten Trick“ zu stehen. Sehr wichtig sind auch: Flow, sauberes Landen auf dem Board, Höhe, die Länge des Anlaufs und viele weitere Faktoren. Jeder hat seine eigene Art, einen Trick auszuführen – selbst beim gleichen Trick hat jeder seinen eigenen „Style“. Manche machen ihre Tricks lieber knapp über dem Boden, andere catchen sie hoch in der Luft. Und jeder hat seine Lieblingstricks. Fingerboarding bedeutet auch, neue Leute kennenzulernen, ein Stück Skateboard-Kultur und das Adrenalin bei Contests, die ebenfalls ausgetragen werden. Für viele ist es eine Art, sich auszudrücken – man kann dieses Hobby durchaus auch als Kunst sehen. Manche malen auf Papier oder Leinwand, andere auf Fingerboards oder Obstacles. Viele sammeln außerdem Fingerboard-Decks. Einige Exemplare sind schon heute sehr wertvoll und begehrt.
Fingerboards gibt es ab wenigen Złoty (Plastikboards) bis hin zu mehreren hundert Złoty. Für ein Fingerboard aus der „Mittelklasse“ zahlst du etwa 50–100 zł. Willst du dir Equipment aus der „Oberklasse“ zulegen, musst du mit 150 zł (gebraucht) bis 400–600 zł rechnen. Dazu kommen die Kosten für Rampen, die ebenfalls bei etwa 50–500 zł pro Stück liegen, und sogar mehrere tausend Złoty für einen kompletten Fingerpark (z. B. Blackriver Ramps). Viele entscheiden sich deshalb für Eigenbauten. Manche Sammler-Decks erzielen sogar Preise von über 500 $ pro Stück (WOOB fingerboards).
Wie du siehst, ist Fingerboarding eine richtig spannende Freizeitbeschäftigung. Wenn du mehr über dieses ungewöhnliche Hobby erfahren möchtest, schau doch mal in der Fingerboarding-Gruppe auf Facebook vorbei.
Artikel von Mateusz Początek
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